Aufsatz: Immer diese Individualisten
Vorwort:
Was man alles so findet, wenn man seine Festplatte mal ordentlich ausmistet ist schon erstaunlich. Der folgende Text wude von mir vor ungefähr fünf Jahren verfasst und ich habe leider vergessen was mich dazu trieb. Ich würde gerne eine bessere Einleitung zu diesem Text schreiben doch will mir nichts vernünftiges einfallen. Also übergebe ich das Wort an mein Ich von vor fünf Jahren:



Entgegen der einschlägigen Meinung gewisser Individuen herrscht eine erstaunliche Klarheit in meinem Geiste. Zwar nicht immer, doch häufiger als man anzunehmen vermag. Doch bei folgenden Zeilen war mein Gehirn höchstwahrscheinlich gerade auf Toilette und hat die leere Hülle vor dem multifunktionalen Flimmerkasten zurückgelassen. Wie dem auch sei, hier folgt nun der Amoklauf meiner beiden Hände:


Immer diese Individualisten...

Sie schwimmen immer gegen den Strom, lassen sich nicht einsperren in einem aus Unwahrheiten errichtetem Glashaus, in welchen die Lügner selbst sitzen und mit Steinen nach den Individualisten werfen. Wie einfach wäre doch das Leben ohne diese Freidenker. Sie sind doch der Grund für immer wieder neue Ärgernisse. Sie halten sich nicht an die sorgsam, wenn auch absonderlichen, Regeln die von ebenso zwielichtig wie auch abstrusen Gestalten der Politikwelt zu ihrem Wohle aufgestellt wurden. Sie vagabundieren mit ihren Gedanken in Bereichen welche anderen verschlossen sind oder vor denen sie sich fürchten, da sie ihren Horizont tatsächlich erweitern könnten und dazu bringen würde ihr Gehirn neuen und frischen Gedanken auszusetzen.

Diese Individualisten diskutieren über Themen, welche indiskutabel für Andere sind, ziehen mit wohldurchdachten korrekten doch unliebsamen Fakten in das Schlachtfeld des Streitgespräches. Sie erzwingen ein Aufwachen der schlafenden, so leicht zu kontrollierenden Schafe, wodurch die Macht über eben jenen wolligen Mitbürger verloren geht. Ach man sollte sie zusammentreiben und auf einem entlegenen Winkel der Erde aussetzen, vielleicht würde dadurch die ganze Farce namens Regierung nicht unaufhaltsam zerbröckeln und die mächtigen könnten weiterhin ihre wahre Natur vor der Allgemeinheit verbergen.

Im Dunklen feilen sie an ihren Plänen und schmieden eifrig Ränke, wie die an Inzest erkrankte Monarchie dereinst, nur um sich in ein besseres Licht zu stellen oder gar an mehr Einfluß zu gewinnen. Doch diese elenden Freidenker! Sie nehmen sich die Frechheit die sorgsam aufgebauten Lügengebilde zu demontieren. Stück für Stück wird der wahre Kern offenbart, den sie so eifrig zu hüten suchten. Wie einst unter dem Deckmantel des Allmächtigen wird die verblendete Gesellschaft wie Vieh zu der Schlachtbank geführt und die Rebellen als Ketzer gebrandmarkt, gar abscheuliche Dinge werden ihnen nachgesagt.

Diejenigen Freidenker, die sich öffentlich zu erkennen geben haben die fürchterlichsten Dinge zu befürchten und sollten um ihr gläsernes Leben bangen. So werden sie einer Gehirnwäsche unterzogen, schrecklichen Bildern ausgesetzt und immer wieder mit den hohlen Phrasen der Starrdenker bombardiert, bis sie zu einem Schatten ihrer selbst werden und schließlich den Strom der Massen entlang schwimmen um ihren rechtmäßigen Platz unter denen einzunehmen zu denen sie vor ihres individualistischen Abenteuers angehörten.

Die letzten Reste ihres Freidenkens werden durch Anpreisung von völlig nutzlosen Gütern und deren erschwinglichen Gegenwert, sowie Massenhypnose an den viereckigen Volksverdummungsscheiben ausgelöscht. Hin und wieder scheinen diese inquisitionsartigen Praktiken jedoch zu versagen, denn einige dieser Menschen finden ihren alten Gedankenzustand wieder und lehnen sich erneut gegen die Tristesse des Alltags, gegen die Lügen der Scheindemokratie, gegen den Strom der Wolligen, gegen die Lobpreisungen der nutzfreien preiswerten Besitztümer und gegen die hypnotischen Laute des beweglichen Übertragungssyndikates auf.


Ich bin einer dieser gequälten Seelen, die auf der Suche nach neuem Gedankengut auf den Wellen der Reform reiten. Wir sind der weiße Wal der von den vielen die auf dem Regierungsschiff „Pequod“ segeln, gejagt wird. Sie erscheinen wie ein Relikt aus grauer Vorzeit. Wie ein tödlich verwundetes Tier, welches noch im Todeskrampf versucht alles mit sich in die Tiefen zu reißen.

Auf meine Brüder und Schwestern. Erhebt euch aus dem Strom der Massen. Setzt Zeichen der Zeit, jene die unübersehbar für die Dinosaurier der Legislative sind. So geht hinaus in die Welt und erweitert euren Horizont, denkt die bunten Gedanken der Freiheit und wehrt euch gegen die Fesseln der Tristesse die euren Verstand zu vernebeln drohen.